Smalltalk – Desaster

Die Vorweihnachtszeit ist aufgrund der Feierlichkeiten prädestiniert für die Unterhaltung namens Smalltalk.

Ich bin ja nicht unbedingt eine Liebhaberin dieser Gesprächsform – aber bei manchen Gelegenheiten ergibt diese Konversation durchaus Sinn. So auch rund um die Weihnachtszeit. Bei diversen Glühweinstandlbesuchen, Firmenfeieierlichkeiten oder größeren Familienfesten ist das Beherrschen dieser Gesprächsform sehr nützlich.

Ratgeber für den perfekten Smalltalk haben einige Tipps für Frischlinge, in diesem Bereich auf Lager.

Das Thema „Wetter“ soll sich hervorragend zum Einstieg eignen. 

Dabei kann man herrlich über das jährliche Ausbleiben der ersehnten weißen Weihnacht, dem Gatsch vorm Haus oder dem obligatorischen Föhneinbruch quatschen. 

Und glaubt man den Ratgebern, hat man damit schon einiges richtig gemacht um die erste Hürde des Abends zu meistern.

Gute Themen zur Kontaktaufnahme wären dann noch Essen, Reisen oder Sport. Der Versuch die Hobbys des Gegenübers herauszufinden, sowie irgendwelche Gemeinsamkeiten zu entdecken, um das Gespräch so richtig in Gang zu bringen, sind sehr ratsam.

Aber unglaublich wichtig und ganz oben bei diesen Tipps steht: Immer lächeln! 

Sollte das Gegenüber noch so langweilig sein und das Gespräch sich endlos ziehen wie ein Kaugummi, hilft dies nun alles nichts – da muss man durch. 

Auch dann wenn sämtliche, körpereigene Synapsen des Gehirns langsam das Weite suchen und abschweifen, widmet man seine gesamte Aufmerksamkeit dem Gegenüber, dekoriert mit einem Lächeln im Gesicht. Sogar, wenn im Frontallappen nur mehr das Schild mit der Aufschrift „Flucht, Flucht, Flucht“ unaufhörlich blinkt, zeigt man Interesse, lauscht aufmerksam und grinst.

Außerdem bitte nicht vergessen: Immer schön belanglos bleiben!

Für Smalltalk Anfänger, mit etwas weniger Begabung, ist es hilfreich einen Spickzettel vorzubereiten. Hier kann man dann die Themen Punkt für Punkt abhaken. Das ist praktisch. Allerdings birgt dies die Gefahr, falls man auf einen kreativen Gesprächspartner trifft, dass der Text abweicht und man in eine ganz andere Richtung abbiegt. Aber das ist dann auch egal, denn bei solch einer Entwicklung dürften die gefürchteten, peinlichen Schweigeminuten eher ausbleiben.

Die „Smalltalkmeister“ empfehlen auf Themen wie Krankheiten, Finanzen, Politik, Tratsch oder Ähnliches zu verzichten. 

Diese könnten zu sehr in die Tiefe abgleiten und sind deswegen nicht für solche Zwecke geeignet.

Hmmm, ich weiß nicht, nachdem ich im Laufe der Jahre schon einige Veranstaltungen mit hoher Smalltalk-Dichte hinter mich gebracht habe, stelle ich fest, dass diese Tipps auch nur bedingt nützlich sind.

Mir persönlich gefallen Gespräche bei denen ein gegenseitiges Geben und Nehmen beim sprachlichen Austausch stattfinden. Dafür ist es vorteilhaft, wenn das Hörorgan gut geschult wurde und zum Zuhören taugt, oder einfach ein gewisses Fingerspitzengefühl vorhanden ist. Manche Gesprächspartner sind sehr überzeugt von sich selbst und glauben durch eher lautes, unaufhörliches Quatschen, mit kumpelhaftem Unterton sehr charmant auf andere zu wirken. Das Bestreben die Stimmung dadurch aufzulockern und sich dabei etwas in den Mittelpunkt zu rücken ist zwar nachvollziehbar, jedoch nicht immer angenehm. Denn manchmal vergisst so ein Exemplar, wenn es in Fahrt ist, dass nicht jeder gerne mit “selbstverliebten“ Texten überschüttet wird.

Ich persönlich habe auch nicht unbedingt Angst, wenn Gespräche dann doch etwas in die Tiefe abgleiten – ganz im Gegenteil. Gerade diese bleiben mir dann meist angenehm in Erinnerung. 

Manchmal trifft man unverhofft auf einen Gesprächspartner, bei dem vom ersten Augenblick an die Chemie stimmt und das Reden nur so flutscht. Dann vergeht die Zeit wie im Fluge und der Abend ist zu schnell vorbei! Das kann unterhaltsam, witzig, tiefgründig oder oberflächlich sein – jedoch eines haben diese Begegnungen immer gemeinsam – sie sind ehrlich, authentisch  und aufrichtig!

Ich wünsche Euch wunderschöne, unterhaltsame Feierlichkeiten zu diesem Jahresausklang… 

 

Übrigens, mein Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“ gibt es um € 19,90 auf marlies@herbsthofer.com zu bestellen! 🙂

  

2 Gedanken zu „Smalltalk – Desaster

  1. Ich meide eher öffentliche Veranstaltungen, weil ich tinnitusgeschädigt bin, und im Lärm andere leider kaum mehr verstehe. Manche wichtige Veranstaltungen besuche ich doch und ich kann nur sagen, egal was wer was von sich gibt und sei es auf den ersten Blick noch so dumm, irgendwas Lehrreiches ist immer dabei. Ob für sich selbst, für das Gegenüber, für mich – aus allem lässt sich im sozialen Kontakt etwas lernen.

    1. Oh, liebe Marianne, das kann ich gut verstehen.
      Und, ja irgendetwas bleibt immer hängen…und wenn es nicht Lehrreich war, dann vielleicht ein Eindruck, eine neue Erkenntnis oder eine unvergessliche Situation… 😉
      In diesem Sinne wünsche ich viele schöne Kontakte…
      Alles Liebe 🙂

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