Das Märchen von der Wertschätzung am Arbeitsplatz!

Derzeit brennt mir das Thema Wertschätzung am Arbeitsplatz auf der Seele.

Mein Mann und ich führten in der letzten Woche viele Vorstellungsgespräche, da wir eine Bürokraft einstellten.

Diese Gespräche lösten in mir eine ziemliche Ernüchterung aus.

Eigentlich war ich nach den Gesprächen erschüttert.

Bei der Frage, die wir allen Kandidatinnen stellten: „Wie müsste Ihr Arbeitsplatz und Umfeld aussehen, damit Sie sich wohl fühlen?“

War die Antwort stets, wie aus der Pistole geschossen: WERTSCHÄTZUNG!

Natürlich hinterfragten wir, wie sich jeder einzelne diese Wertschätzung vorstellt.

Die Erklärungen dazu schockierten mich ebenfalls. Denn es waren keineswegs überzogene Erwartungen, sondern es ging immer um einfache, freundliche Verhaltensweisen. Es handelte sich nie um Lob, obwohl das ja auch menschlich wäre. Nein, es waren grundsätzliche Umgangsformen.

Wie etwa ein ehrliches Danke, eine Hilfestellung oder Feedbacks. Also menschliche Reaktionen, wie wir sie uns in einem sozialen Zusammenleben wünschen. Denn auch am Arbeitsplatz leben wir in Beziehungen.

Und gerade in einem Büro, in dem man viele Stunden, in einem mehr oder weniger größeren Raum, gemeinsam verbringt, dürfte Freundlichkeit und Wertschätzung doch eine Voraussetzung darstellen. Leider ist das anscheinend nicht der Fall. Einige BewerberInnen merkten sogar an, dass sie sich am derzeitigen oder letzten Arbeitsplatz nur als Nummer fühlen bzw. fühlten.

Es zähle nur das Geld, menschliche Aspekte hätten keinen Platz!

Ich weiß nicht, aber lebe ich wirklich hinterm Mond?

Denn ich dachte mir, diese Umgangsformen seien veraltet.

Als Lehrling durfte ich, oder wahrscheinlich auch viele von Euch, solche Erfahrungen machen und das waren keine schönen Zeiten.

Allerdings dürften einige Unternehmer sowie Mitarbeiter auch noch heute an solch alten Strukturen festhalten.

Ich muss mit meinen Arbeitskollegen nicht befreundet sein, jedoch Respekt und Akzeptanz darf sich jeder Mensch erwarten.

Rücksicht bei der Einarbeitung und eine wohlwollende Unterstützung sollte doch selbstverständlich sein. Anscheinend dürfte eine grundsätzlich positive Stimmung am Arbeitsplatz oftmals noch Mangelware sein.

Wir leben in Zeiten, in denen es schwer ist, gute Fachkräfte zu finden. Dies ist eine unbestrittene Tatsache. Deswegen ist dieses Verhalten noch weniger zu verstehen. Wie schaffen es solche Betriebe Mitarbeiter langfristig zu binden?

Diese BewerberInnen zeigten uns: So ein Klima hält langfristig kein Mensch durch.

Dabei muss ich betonen, dass es einigen InteressentInnen an Ausdauer nicht mangelte…

Wir alle sind menschliche Wesen und brauchen Anerkennung sowie Zuwendung.

Das ist ein Grundbedürfnis!

Bekommen wir diese, fühlen wir uns zugehörig.

Das wiederum erhöht die Motivation, stärkt den Zusammenhalt und auch das Loyalitätsgefühl.

Und solche zufriedenen Menschen tragen diese positive Einstellung zur Firma natürlich auch hinaus.

Das wiederum wirft sicherlich ein gutes Licht auf das gesamte Unternehmen.

Wie geht das denn mit der Wertschätzung?

Wertschätzung funktioniert nicht nach einem zurechtgelegten Schema, sondern muss von Herzen kommen. Jeder Mensch ist anders und deswegen sollten wir auch individuell auf jeden Mitarbeiter eingehen. Miteinander sprechen wäre schon ein guter Schritt in die richtige Richtung. Ein überschwängliches Loben, wenn es nicht ehrlich gemeint ist, kann man sich sparen. Manchmal reicht sogar ein herzliches Lächeln oder ein anerkennendes Nicken.

Wertschätzung heißt nicht, dass wir nun keine Fehler mehr ansprechen dürfen und nie Kritik ausüben sollen. Oder, dass wir alle Mitarbeiter von früh bis spät verhätscheln müssen – nein, so ist das nicht gemeint.

Denn durch faire und konstruktive Kritik entwickeln wir uns bekanntlich weiter.

Wenn wir merken, dass wir einem anderen durch ehrliche Wertschätzung eine Freude bereiteten, tritt bei uns ebenfalls ein schönes Gefühl in den Vordergrund.

Es sind oft Kleinigkeiten, wie etwa eine kurze Hilfestellung, oder eine ehrliche Erkundigung nach dem persönlichen Befinden. Durch aufmerksames Zuhören können wir ebenfalls Wertschätzung vermitteln. Schön ist es, wenn wir Kollegen einen gewissen Vertrauensvorschuss schenken, denn auch das kann die Zusammenarbeit erleichtern.

Ich möchte mich hier nicht als perfekten Menschen darstellen, denn das bin ich bei weitem nicht.

Auch ich, und natürlich wir als Unternehmer, dürfen noch immer lernen und uns weiterentwickeln.

Und wo Menschen zusammenarbeiten kann es freilich zu Konflikten kommen.

Manche lösen wir gut und einige hätten wir wahrscheinlich besser bewerkstelligen können. Wir alle sind Wesen, welche mit Emotionen ausgestattet wurden.

Außerdem ist das Leben vielschichtig und oft begleiten uns Sorgen oder Ängste.

Das bringen wir, auch wenn wir noch so professionell agieren, mit auf den Arbeitsplatz.

Deshalb können Missgeschicke sicherlich vorkommen.

Bei uns allen!

Denn das macht uns Menschen aus, wir sind keine perfekt programmierten Roboter.

Und manche Fehler müssen wir uns selbst zuschreiben, eingestehen und daraus lernen.

Die Frage ist immer: Wie gehen wir damit um?

Und auch hier dürfen wir, bis ans Lebensende an uns arbeiten…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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