Provinz Schickeria

Das Landleben wird häufig unterschätzt.

Denn auch hier ist der Lebensstil, welchen man aus „ich bin so reich und schön“ kennt, angekommen.

Ebenfalls trifft sich eine erlesene „Bussi-Bussi Gesellschaft“ um ein Glas Schampus, oder besser gesagt Prosecco, zu schlürfen, um ihre Wichtigkeit damit zu unterstreichen.

In so manchen Lokalen wird dann auf Lounchmöbeln, die vorzugsweise aus praktischem Plastik bestehen, gezeigt wie und wer man ist.

Hier kann man interessante Gesellschaftsstudien erstellen.

Da gibt es jene die in kurzer Zeit mit einer schlauen Geschäftsidee und großem Einsatz zu Geld gekommen sind, obwohl, manchmal wurde der Part mit der Kohle auch schon von der Vorgängergeneration erledigt. Diese Menschen haben die Rolle des Alphatierchens inne. 

Von außen betrachtet sind dies meist jene Leute mit lauten Organen, welche gerne durch lässiges Gerede die Szene unterhalten. Zugegeben, manchmal schrammt dieser Schmäh oft auch knapp an der Primitivität vorbei. Aber egal –  bei diesen Exemplaren ist eben alles lustig.

Da sich diese Alphatiere stets in extremer Feierlaune befinden und dabei mit Geld um sich werfen, werden sie natürlich angehimmelt. Das kann man auch sehr leicht erkennen, denn in deren Umgebung scharren sich Hinz und Kunz, um auch etwas vom Hauch des Luxus abzubekommen. Otto Normalo, Max Mustermann, sowie Krethi und Plethi sind dann selig, denn nun rücken sie ebenfalls etwas in den Mittelpunkt. Und für diese Aufmerksamkeit des grandiosen Zampanos, investiert man gerne etwas Lebenszeit, um ihn gebührlich zu ehren. Endlich darf man sich im Glanze dieses außergewöhnlichen Prachtexemplars der menschlichen Rasse sonnen und dabei hoffen, dass ein bisschen von diesem Glanz abfärbt. Der Bewunderte badet indes in der ihm entgegengebrachten Anerkennung. 

Wenn diese manchmal mit etwas glitschigem Schleim durchzogen ist, stößt ihn das nicht unbedingt ab – denn Ehre wem Ehre gebührt. 

Diese Rolle macht das Leben lebenswert. 

Sich fühlen wie Gott in Frankreich – herrlich. 

An Vorbildern fehlt es nicht – Medien zeigen uns wie es geht. 

Da wäre beispielsweise der Roooobert mit seiner Carmen, die uns dieses Leben in der Serie „eine schrecklich glamouröse Familie“ zeigen. Komischerweise bleibt bei mir immer, trotz des vielen Glitzers in und um diese Familie, ein bitterer, ja sogar extrem billiger Nachgeschmack. Selbst ein stets getragenes Luxustäschchen, kann dieses komische Mundgefühl kaum beseitigen.

Hmm, das ist aber nur meine Empfindung und darf getrost ignoriert werden. 

Also Carmen & Co einfach kopieren. 

Große Sonnenbrille auf die Nase und los geht’s. Kleiner Tipp für das weibliche Volk, auch mit Botox und Silikon muss nachgeholfen werden und das Gute daran, dies ist nun auch schon in der Provinz erhältlich. Die künstlichen Fingernägel gehören sowieso schon zur Standardausrüstung.

Somit hat sich „Lifestyle“ auch am Lande ausgebreitet. 

Na, wäre auch wirklich fies, würden wir hier benachteiligt. 

Nicht kleckern, sondern klotzen ist die Devise.

Sehen und gesehen werden.

Die Dorf-Schickeria lebt eben von diesen Helden und Heldinnen.

Die Vorzüge dieser Lebensweise sind auch erwähnenswert.

Das Ego aller Beteiligten wird sanft gestreichelt und massiert – oh, welche Wonne!

Man braucht sich nie zu fürchten, dass man alleine ist, denn es scharren sich Unmengen an „Freunden“ um diese schillernden Persönlichkeiten – solange eben das Geld fließt und der Schmäh rollt.

Außerdem kommt man nicht in die Verlegenheit ein tiefgründiges oder gar ein vor Problemen triefendes Gespräch zu führen – pfui, das macht ja wirklich keinen Spaß.

Was gibt es Schöneres, als sich selbst zu bewundern und auf das gemeine Fußvolk hinabzublicken – diese Erhabenheit ist das Salz in der Suppe.

Außerdem braucht man nicht so viel über sich selbst nachdenken – die Werte welche wirklich zählen, haben schließlich genug Moneten gekostet und das trägt man zur Schau.

Oberflächlichkeit ist etwas Schönes, denn oft ist im Untergrund etwas Grausliches versteckt – das möchte doch keiner sehen.

Ein schöner Aspekt ist ebenfalls, dass man immer nur von feschen

Menschen, in der momentan angesagten Uniform, umgeben ist – ja, auch das ist eine Konstante, auf die man sich verlassen kann.

Die Sorge welches Auto, Motorrad, Boot oder goldene Uhr man sich kaufen muss, wird hier verstanden, geteilt und ausgiebig beraten – schließlich ist man auch hilfsbereit.

Feiern ist ein Lebenselixier, es belebt unendlich und die Nächte fühlen sich an, wie eine selbstgemixte Welle der Unsterblichkeit – deshalb sollte man sich immer bemühen, um auf dieser Welle mitzureiten.

Und man kann ebenso profitieren von diesen Kontakten, denn wer schmückt sich nicht gerne mit fremden Federn – zusätzlich bemüht man sich ausgiebig, dass diese Kontakte noch weitere Kreise ziehen.

Der Olymp ist schließlich unendlich hoch, da darf man auch mal von der Provinz in die nächste Stadt gucken – denn ganz oben ist man noch lange nicht.

Also nix wie hin ins nächste „Szene-Lokal“ und den einen oder anderen, von mir beschriebenen Tipp beherzigen, dann wird es schon klappen.

Raus aus der Eintönigkeit – hinein in das eindrucksvolle Leben der Society (auch wenn die am Land vielleicht noch immer ein bisschen weniger schillert).

Bescheidenheit ist veraltet, verstaubt, sowie extrem unspektakulär.

Und wer braucht sowas heutzutage?

Ist ja so laaaaanngweeeiiiilllig!

 

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