Potschert!

 

 

Ich bin oft potschert!

Für alle jene Leserinnen und Leser, die unserer Umgangssprache nicht mächtig sind:

Ich bin oft tollpatschig!

Dies wurde mir gestern wieder bewusst.

Denn nach einem kleinen „Unfall“ erschienen mir sämtliche Missgeschicke, des heurigen Jahres, vor meinem geistigen Auge.

Gestern Abend, nach dem Kochen wollte ich noch „schnell“ den Biomüll am Kompost entsorgen. Es hatte den ganzen Tag geregnet und somit war der Garten pitschnass. Um mir ordentliche Schuhe anzuziehen war ich zu faul, denn wie gesagt ich wollte das Entsorgen „schnell“ erledigen. Also schlüpfte ich vorm Haus in die alten Flip-Flops und schlurfte los.

Zu unserem Kompost muss man eine kleine Böschung hoch, und die ist wirklich im trockenen Zustand kaum bemerkbar. Nach heftigen Regenfällen und mit diesem Schuhwerk jedoch sehr wohl. Der rutschige Anstieg glich einem unbezwingbaren Berg.

Kurz: Ich rutschte aus und hinterließ eine ordentliche Spur im Gatsch. Der Müll verteilte sich in allen Richtungen und da es bereits finster war, konnte ich die Misere erst heute begutachten.

Zusatz: „Schnell“ war da gar nichts, denn danach verbrachte ich einige Zeit in der Dusche.

Übrigens, auf der Schleifspur im Garten wird wahrscheinlich erst im Frühling wieder Gras vorzufinden sein.

 

Aber so geht es mir öfter.

Vor einigen Wochen hatte ich einen Termin in Graz.

Ich war, nach einer längeren Parkplatzsuche knapp dran und deswegen bereits mit dem Kopf bei diesem Termin. Als ich vom Parkplatz „schnell“ die Straße überquerte ging alles ziemlich zack-zack. Denn kurz bevor ich auf der anderen Seite ankam, lag ich auf dem Boden. Ich musste dies erst realisieren.

Beim Blick auf meine Füße erkannte ich, dass diese sich in einem Plastikschnürl verfangen hatten. Das war der Grund für diesen äußerst uneleganten Bauchfleck.

Sowas muss man auch mal schaffen – gell.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich an meine lieben Mitmenschen appellieren: Bitte keinen Plastikmüll unachtsam auf der Straße liegen lassen!

Ein junges Pärchen kam mir netterweise zu Hilfe. Außer einer kurzen Schrecksekunde, gepaart mit dem Ordnen meiner Gedanken, war ich intakt.

Der junge Mann meinte dann noch so etwas wie: „Über die eigenen Füße gestolpert?“. Anhand des Plastikteils konnte ich mich aber irgendwie erklären.

Trotzdem ließ mich das Gefühl nicht los, dass er glaubte ich hätte mir nach einem Kaffeetratscherl mit meinen Altersgenossinnen, zusätzlich ein Gläschen Prosecco hinter die Binde gegossen. Oder noch schlimmer, er vermutete ich gehöre altersmäßig schon der Generation „ein Eierlikörchen zu viel“ an.

Dabei wollte ich doch nur „schnell“ sein.

Später beim Termin, als sich mein Adrenalinspiegel wieder im Normalzustand einpendelte, spürte ich, dass mein Knie doch nicht ganz unbeschadet davonkam.

 

Das Anstoßen des Kopfes ist normalerweise der Job meines Mannes.

Diese Aufgabe hat eigentlich er in unserer Familie übernommen. Wenn wir aus heiterem Himmel, ein lautes „Au“ vernehmen, wissen wir, dass er wieder mit dem Kopf irgendwo dagegen geknallt ist. Heute in der Früh, ich hatte es schon ziemlich eilig, wollte ich „schnell“ noch ein Glas Wasser trinken. Dabei fuhr ich mit dem Kopf voll gegen das Küchenkastl.

Obwohl sich dieses schon jahrelang an genau diesem Platz befindet.

Dabei bin ich gerade beim Schädel übervorsichtig, denn der malträtiert mich ohnehin von Zeit zu Zeit, auch ohne Außeneinwirkung. Aber ich war wieder einmal mit meinen Gedanken zwei Schritte voraus.

 

Zu meiner Lieblingsdisziplin als „Haushalts-Wurschtel“ gehört sicherlich, dass ich gerne mit dem überfüllten Wäschekorb die Stufen hinauffalle. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, ist dies wahrscheinlich um einiges angenehmer als runter zu segeln.

So sind meist nur meine Schienbeine mit blauen Flecken übersät und die Wäsche ist wieder neu aufzusammeln. Das geht.

Auch hier dürfte kopflose Eile für das Stolpern verantwortlich sein.

 

Relativ neu ist hingegen, dass ich während des Sprechens und zeitgleichem Kochen vergesse was ich sagen, beziehungsweise was ich aus dem Kühlschrank nehmen wollte. Ich gestehe mir ein: Multitasking, das war einmal.

Insgeheim habe ich dieses verlieren des Fadens auf meine gelegentlichen Migräneattacken geschoben. Denn wer weiß schon, was bei so einer massiven „Gehirnquetschung“ alles in meinem Kopf passiert? Ob dies medizinisch seine Richtigkeit hat – keine Ahnung. Es wäre aber eine plausible Erklärung für die Heftigkeit des Schmerzes und eine geniale Ausrede für die derzeitige Zerstreutheit.

 

Außerdem hat sich eine weitere Spezialdisziplin in diesem Jahr dazugesellt.

Und zwar das: „Auf die Brille setzen“.

Da ich beim Fernsehen keine Brille brauche, lege ich sie oft in Griffweite auf das Sofa, denn bei allen anderen Aufgaben, die das Leben so an mich stellt, bin ich ohne Sehhilfe vollkommen verloren.

Doch leider lag sie dann eben oft genau da, wo ich mich hinsetzen wollte.

Naja, das tat meiner Brille nicht besonders gut, denn sie glich danach eher einer futuristischen, modernen Skulptur.

Zum Glück habe ich liebe Optikerfreunde, die noch dazu in meiner Nachbarschaft wohnen und mir stets in Windeseile das gute Stück reparieren.

Ich möchte es ja nicht verschreien, aber seit der letzten Reparatur sind schon einige Wochen vergangen….

 

 

Warum schreib ich über meine peinlichen, potscherten Hoppalas?

Fakt ist doch, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren.

Gerade jetzt, wenn viele von uns wieder daheim im Online-Office arbeiten, ist die Vereinbarkeit von Beruf, Haushalt, Kindern und Terminen, um einiges turbulenter.

Und ich merke, wenn ich glaube ich muss dies und das noch „schnell“ zwischen dem checken der Mails, dem anstehenden Online-Meeting, dem Suppe umrühren und den Kindern zuhören unterbringen – dann agiere ich oft kopflos.

Zuhause springen uns ja sowieso immer Arbeiten ins Auge, welche wir nebenbei „schnell“ erledigen möchten, aber gerade dabei passieren eben diese potscherten Unfälle.

Dieses Handeln ist zwar verlockend, aber manchmal sollten wir einen Gang zurückschalten, denn oftmals bremst uns gerade diese Eile und haut uns meilenweit zurück….

 

Also: Passt gut auf Euch auf!

 

Mehr Alltagsgeschichten gibt es in meinem Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“.  Zu bestellen unter: marlies@herbsthofer.com um € 19,90, Zustellung, frei Haus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Potschert!

  1. Liebe Marlies!
    Es ist schön, dass es dich wieder gibt, ich meine natürlich deine erfrischenden Bloggs…ja, das mit den potschert sein, das kenn ich nur allzu gut….ich glaub, da sind wir gefordert, auch den einfachen Dingen im Leben mehr Aufmerksamkeit und Bewusstsein zu widmen…..jeder Handgriff und jede Tätigkeit ist wertvoll!!!!!
    Freu mich schon auf deinen nächsten Beitrag 😊Liebe Grüße Elisabeth

    1. Danke, liebe Elisabeth! Ja, Aufmerksamkeit und Bewusstheit bei jeder Handlung kann nie schaden… ;-)! Liebe Grüße M.

  2. Ich bin mal mitten in der Altstadt von Istanbul ganz potschert über einen Stein gestolpert und der Länge nach hingefallen. Es war nicht besonders schmerzhaft und Handy samt Kamera konnte ich auch vor einem schlimmen Schicksal retten. Aber es war megapeinlich. In Deutschland hätte ich wohl noch ein paar Jahre so liegen bleiben müssen, bis ich das richtige Alter gehabt hätte, um mir wieder aufzuhelfen. In Istanbul wurde ich von einer Menge von Menschen gerettet und in die nächste Kaffeebar geschleift. Wäre es nicht so peinlich gewesen, könnte ich dies als schönes Erlebnis verbuchen.
    Ansonsten sollte man sich halt schon eine gewisse Achtsamkeit angewöhnen 😉
    LG
    Sabiene

    1. Autsch, liebe Sabiene! Ich kann das nach meinem Grazer Bauchfleck so richtig nachempfinden… ;-)!
      Die Hilfsbereitschaft ist aber schon ein schönes Erlebnis.
      Und ja, ein bisserl Achtsamkeit schadet nicht!
      Liebe Grüße M. 🙂

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