Geiz ist DEFINITIV nicht geil!

 

Vor kurzem las ich in einem Artikel, dass Geiz die häufigste Ursache für Eheprobleme sei.

Und wenn ich so darüber nachdenke, kann ich mir das gut vorstellen.

Ganz ehrlich: Wer wünscht sich einen geizigen Partner?

Geiz ist die übersteigerte Form der Sparsamkeit.

Letzteres kann durchaus hilfreich sein und macht Sinn.

Auch in einer Partnerschaft und im Zusammenleben ist haushalten und wirtschaften wichtig.

Aber einen Geizkragen als Partner, ein wahrer Albtraum – oder?

Tatsächlich war Geiz während meiner beraterischen Laufbahn häufig ein Thema.

Da ich fast ausschließlich mit Frauen arbeitete, kommt mein Einblick eben von der weiblichen Seite einer Partnerschaft. Wenn beispielsweise eine Frau berufstätig ist und die gleiche Anzahl an Wochenstunden wie ihr Partner leistet, sie zusätzlich den Haushalt erledigt, sowie ein tägliches Essen auf den Tisch zaubert, dann darf sie doch bei einem der seltenen Restaurantbesuche erwarten, dass der Angetraute die Rechnung übernimmt. Rein aus Wertschätzung für die Leistungen, welche im ganz normalen Alltagswahnsinn an ihr hängenbleiben. Schaut jedoch dieser besagte Göttergatte bei der Rechnungsüberreichung durch den Kellner wie ein Außerirdischer, welcher gerade erst aus einem Paralleluniversum auf unserem Planeten gelandet ist und wartet bis die Frau die Kreditkarte zückt, dann kann ich versichern, dass sie nicht zwingend denkt: Geiz ist geil!

Bei einigen Beziehungen kam es wirklich zur Trennung. Denn diese geizige Einstellung zog sich natürlich durch das gesamte Zusammenleben und beschränkte sich nicht nur auf eine Einladung zum Essen oder zum Kaffee.

Ich behaupte sogar, dass diese Menschen sehr kleinkariert sind und gefangen in ihrem ziemlich engen eigenen Kerker.

Großzügigkeit bringt auch eine erweiterte Sichtweise.

Ich glaube Ihr versteht was ich meine.

Es geht nicht darum ständig mit Geschenken und Aufmerksamkeiten überschüttet zu werden, sondern um ein wertschätzendes Geben und Nehmen!

Dieses Verhalten bezieht sich natürlich auch auf den Freundeskreis. Wer kennt sie nicht, die Leute, die sich immer gerne einladen lassen, jedoch selbst nie auf die Idee kommen mal eine Runde springen zu lassen. Hier geht es auch nicht um die Menge und den Wert der Einladung, sondern einfach um die Geste. Wenn ein/e Schüler/Schülerin oder Student/in mit einem schmalen Budget haushalten muss, ist es verständlich, dass dieser/diese nicht mit Einladungen um sich schmeißen kann. Jedoch kann man Großzügigkeit durchaus in anderer Form leben und zu erkennen geben.

Es geht hier eindeutig um einen Charakterzug, der sogar ins Krankhafte kippen kann.

 

Dass Geiz geil sein soll, wissen wir ja seit uns dies ein Werbeslogan vermittelte.

Und irgendwie hat der in unserer Gesellschaft Spuren hinterlassen.

Die Jagd nach Schnäppchen ist ein ziemlich weit verbreiteter Volkssport.

Ich glaube jener Mensch, der diesen Slogan erfunden hat, dürfte selbst an einer sehr schrägen Wahrnehmung leiden, ansonsten würde er sich nicht einbilden, dass so ein Verhalten auch nur irgendwie im Entferntesten attraktiv macht…

Trotzdem ist dieser „Geiz-Virus“ oft anzutreffen.

Er dürfte ebenfalls zur stark ansteckenden Version gehören.

Denn ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie es vor einem Lockdown immer wieder zu so einem massiv duschgeknallten Einkaufsverhalten kommen kann. Wenn große Einkaufszentren mit Angeboten locken, dann steht die „prozenthungrige“ Meute Schlange. Dann werden Schuhe, Möbel und Klumpert gehortet, weil diese Teile ja gerade soooo günstig sind.

Egal ob der Krempel benötigt wird oder nicht.

Oder man denke an die Bieraktionen im Supermarkt. Die gibt es auch zu Zeiten ohne Lockdown. An solchen Tagen hat man das Gefühl, der Mensch ernährt sich sowieso nur mehr von Bier alleine. Denn es wird gekauft, als gäbe es kein Morgen.

Also in unserer Region ist das jedenfalls so.

Und ich befürchte, dass hier nicht mal eine Flasche im Keller vergammelt, sondern wirklich alles sorgfältig ausgetrunken wird bis zur nächsten Aktion…

Oder denken wir an die vielen „Sale“ Verkäufe rund um unsere Kleiderschränke.

Früher gab es Sommer- und Winterschlussverkauf und basta!

Nun gibt es immer einen Grund, um Sale-Plakate auf die Schaufenster zu kleben, ob sich diese „Black Friday“ oder sonst wie nennen ist egal: Hauptsache billig!

 

Gerade heuer war ich über dieses Verhalten extrem erstaunt.

Gab es ja immer wieder Postings die uns aufforderten beim kleinen, regionalen Händler ums Eck einzukaufen. Oder Aufrufe, die uns daran erinnern, dass Amazon & Co nichts für unser Staatsbudget leisten und somit im Endeffekt auch nichts für uns als Bewohner dieses Landes beitragen. Trotzdem bestellt man fleißig. Dabei wird immer wieder versucht an unsere Vernunft zu appellieren.

Verschiedene Medien bemühen sich stets den Wert der kleinen Betriebe hervorzuheben und betonen ihre Wichtigkeit. Außerdem wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie Konzerne die Welt beherrschen und unter welchen Bedingungen der Billigramsch oft produziert wird.

Aber angesichts der massenhaften Ansammlungen von Kaufwütigen vor solchen Häusern, scheint mir es so als sei nur das persönliche Glücksgefühl eines ergatterten Schnäppchens wichtig. Dies zieht sich durch alle Branchen. Vom Supermarkt, bis zum Einrichtungshaus, vom Modetempel mit seinen tausenden Billigfilialen bis hin zum Elektro- oder Baumarkt. Leider sind genau diese Handlungsweisen salonfähig geworden. Kaum jemand stößt sich an dem gierigen Verhalten der Geizhälse. Nein, denn Geiz ist ja so geil!

Die kleinen Fachhändler aus der Region, welche in Krisenzeiten extrem flexibel agieren und sich Mühe geben, um Zustell-, Versand- und Abholdienste auf die Beine zu stellen, werden bei Lockangeboten wieder schnell vergessen. Diese engagierten Fachhändler machten einem während der Krise bewusst, wie ein Dorfleben eben funktionieren kann.

Man hatte kurzfristig beim letzten Lockdown das Gefühl der Mensch sei bewusster geworden, genügsamer und auch achtsamer.

Jedoch diese Hoffnung hielt nicht lange, denn bei jeder Superaktion irgendeines Großkonzerns wurde dieser Hoffnungsschimmer zunichte gemacht.

Dann kam der alte Slogan: Geiz ist geil wieder so richtig schön zum Vorschein!

Geht es um gieriges „will ich haben“ ist die vorerst gepriesene Solidarität schnell vergessen.

 

Geizhälse sind weit verbreitet.

Diese Spezies bezieht ihre einzige Freude und ihren Lebensinhalt nur durch Schnäppchenjagd und vermeintlichen Einsparungen.

Ich kann aber mit Sicherheit behaupten: Geiz ist nicht geil!

Ja, nicht einmal annähernd ein Fuzzerl attraktiv!

 

 

Mehr von mir gibt es in meinem Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“ um € 19,90. Zum Bestellen unter marlies@herbsthofer.com. Ich versende „frei Haus“. Sollte das Buch ein Weihnachtsgeschenk sein, ich verpacke es gerne für Euch. 🙂

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