Selbstoptimierte Selbstoptimierung

Was es alles gibt um sich selbst zu optimieren. 

Denn wie uns täglich gezeigt wird, sind wir so wie wir sind, nicht genug. 

Nein, da gibt es unzähliges Potenzial um an allen Ecken und Enden des Körpers nachzuhelfen – sogar im Körperinneren. 

Äußerlich sind die Herausforderungen schon recht vielfältig und mitunter anstrengend. Und das nicht nur in meinem „Mittelalter“, sondern bereits in blutjungen Jahren. 

Denn merke: Besser geht immer! 

Kleidergröße 32 höchstens 34 und die bitte prall, mit einem straffen Body, gefüllt. Kein Gramm Fett an der falschen Stelle. Einzig die Oberweite darf etwas gefüllter sein um seinem Gegenüber ins Auge zu springen. Dazu gehört noch der richtige Bräunungsgrad des Körpers – egal ob selbst hart erbruzzelt oder aus der Sprühdose.  

Auch die richtige Kleidungswahl gehört zur Selbstoptimierung. 

Stil, Stil, Stil und die richtige Marke – dann ist schon einiges gelungen. 

Dass man diesen Körper, plus Hülle nicht geschenkt bekommt, ist wohl jedem klar. 

Als kleine Abhilfe hat der Mensch die praktischen Sportuhren erfunden. Diese schlauen Dinger erinnern uns an unsere Sporteinheiten und errechnen wie viele Kalorien wir hinterher in uns reinstopfen dürfen. Also brav allen Anweisungen folgen, dann ist man schon ziemlich optimal unterwegs. Sollte der gewünschte Muskelaufbau noch immer ausbleiben, kann man mit Zusatzprodukten nachhelfen. 

So, nun den Luxuskörper noch in eine makellose Hülle packen – perfekt. 

Hat man seine Liebe zu diesen Äußerlichkeiten seiner Brut intensiv vorgelebt, möchte diese natürlich auch optimal eingekleidet sein. Dazu braucht man jedoch einiges an Moneten. Kein Problem, der Coach, welcher mir „Reich in einem Jahr“ verspricht wartet schon.

Jetzt kann nichts mehr schief gehen, denn das Bankkonto quillt über.  

Doch zur Selbstoptimierung gehört natürlich auch, dass wir immer positiv sind und strahlen vor Glück. Uns beherrschen ausschließlich gute Gefühle! Wir können alles lebensfroh weg lächeln, manchmal einfach nicht hingucken oder gar davonlaufen. Hauptsache die großartige, optimierte Lebenseinstellung wird nach außen verbreitet. Gelingt das mal nicht so gut, gibt es auch hier allerlei Gurus, oder Selbsthilfebücher welche wir zu Rate ziehen können. 

Und schwuppsdiwupps lebt man in einer rosa Seifenblase voller Glück.

Sollte das nicht funktionieren, wurden wohl nicht alle Ratschläge richtig umgesetzt! 

Also bitte nur konsequent nach Vorschrift handeln!

Ganz ehrlich – was soll das? 

Natürlich gibt es gute Tipps und auch eine Sportuhr hat Vorteile. Aber wenn im Leben nur mehr zwanghaft diese Ziele verfolgt werden, dann läuft doch einiges falsch. 

Weiterentwicklung ist gut! Ziele sind ausgezeichnet! 

Aber bitte mit den eigenen Wertvorstellungen und im eigenen Tempo. 

Wieso muss ich etwa im Morgengrauen laufen gehen, wenn mir mein Biorhythmus, um diese Uhrzeit, dezent den Vogel zeigt? 

Ich möchte als Person wachsen und mich weiterentwickeln und nicht als Abziehbild eines vorgegebenen Musters. 

Wenn man mit sich und seinem Leben zufrieden ist, hat das heutzutage schon einen gewissen schrägen Touch. Findet man seinen Körper trotz fehlendem Sixpack auch ganz ok, wird man leicht in die Kategorie „geistesgestört“ eingereiht. 

Denn wenn wir uns nicht anstrengen und selbst optimieren, dann werden wir nie erfolgreich, schön und glücklich sein. 

Diese Epidemie und der Zwang zur Schönheit, Reichtum, Erfolg und Glück sind doch der beste Weg zur Selbstentfremdung. Kein Wunder, dass viele Menschen mit allerlei Unternehmungen versuchen sich selbst zu finden. 

Man kann mit sich im Reinen sein, wenn man den Ratgebern nicht entspricht. 

Optimierung darf sein, aber bitte nach eigenem Geschmack. 

Befreit euch von diesem Druck! 

Eine Weiterentwicklung und ein glückliches Leben sind kein Wettrennen.

 

 

Weitere Gesellschaftsphänomene sowie „Alltagswahnsinnsgeschichten“ gibt es in meinem Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“ um € 19,90 – zu bestellen unter: marlies@herbsthofer.com (Zustellung frei Haus)

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