Sehnsucht in Blau 

Ich leide!

Denn ich bin übelst „untersommert“, „untermeert“ und vor allem extrem „unteritalienisiert“.

Ich weiß, das ist jammern auf hohem Niveau. 

Und gleich vorweg, für alle die jetzt mit „bei uns ist es ja eh so schön!“ kommen – ja, das ist es, hilft mir aber auch nix. 

Denn in meiner Genetik, in meiner Seele oder in sonst irgend einem Eck, dürfte diese unstillbare Sehnsucht nach Italien unauslöschlich eingebrannt sein.

Keine Frage, wir leben in einem schönen Land. 

Alles ist sehr grün, schöne Hügel, oder gar Berge, Seen, Wiesen und Wälder. 

Das mag ich natürlich und ich verbringe viel Zeit in der Natur. Wenn ich an einen Urlaub in Österreich denke, wird dies von eigenen Gefühlen begleitet.

Diese Bilder, Gerüche, und Erlebnisse sind in meinem Kopf jedoch völlig anders abgespeichert, als meine italienischen Gedanken. 

Bei diesen „Heimaturlaubs-Erinnerungen“ kommen mir Kälte, Nässe oder Nebel als erstes in den Sinn.

Aber das will ich auf keinen Fall bewerten, denn für ganz viele Menschen ist gerade diese Urlaubs-Palette ein Traum. Eine Menge meiner Bekannten fürchten die Hitze, wie der Teufel das Weihwasser. Sie fauchen und stöhnen, wenn die Temperatur über 25 Grad steigt. 

Gerade in diesem Sommer kommen diese Leute auf ihre Kosten, denn der Ausspruch: „So haaaß!“ kommt so gut wie keinem über die Lippen. Also ein durchaus angemessenes Intermezzo für viele.

Und es stimmt schon, dass es hierzulande bei höheren Temperaturen mitunter unangenehm schwül ist. 

Ich bin leider anders gestrickt. Mir ist es eindeutig zu kalt. Ich liege am Abend mit meinen dicken Socken am Sofa und habe noch immer nicht behirnt, dass der Juli sich dem Ende zuneigt.

Nachdem wir heuer auf eine Reise verzichten, muss ich mich mit Erinnerungen, Büchern oder Filmen „aufheizen“. Dies macht meine Sehnsucht jedoch nur noch größer.

Ich kann es verstehen, dass es Menschen fasziniert auf einen Berg zu steigen, um mit einem erhabenen Gefühl ins Land zu schauen. Jedoch ich brauche das nicht. 

Jedem das Seine, wir sind alle unterschiedlich und das ist gut so.

Meine Glückseligkeit finde ich, wenn ich auf das Meer blicke.

Ich brauche die vielen Schattierungen von Türkis bis Dunkelblau. 

Dann jauchzt meine Seele.

Ich vermisse diesen Blick, sowie den Geruch – ja, der fehlt mir auch!

Ich vermisse das ewige Schwimmen im warmen Wasser.

Ich vermisse es, wenn danach das Salz auf der Haut auftrocknet und dabei prickelt, um dann weiß am Körper und in den Haaren zu kleben.

Aber auch das ganze „Drumherumpaket“ geht mir ab.

Die Wärme, ja sogar die Hitze fehlt mir. 

Ich sehne mich nach dieser hohen Temperatur, die sich lähmend in den Mittagsstunden ausbreitet. 

Wenn die Sonne so heiß brennt, dass es sogar den Katzen zu blöd ist durch die Gassen zu streichen und einzig die Lieder der Zikaden hörbar sind, dann ist das Mediation für mich.

Diese Trägheit entspannt mich, macht mich schwerelos und glücklich.

Tiefste Ruhe herrscht dann in mir und um mich herum.

Wenn dann am Abend alles wieder zum Leben erwacht, in den Gassen geschäftiges Treiben herrscht, sämtliche Läden ihre Pforten öffnen und sich die herausgeputzten Einheimischen auf einen Aperitivo treffen, dann verspüre ich ebenso diese ansteckende Fröhlichkeit und Heiterkeit die in der Luft liegt. 

Wenn sich die gesamte italienische Familie spät zum Abendessen trifft, dabei unzählige Gänge verspeist, sowie das Essen so richtig zelebriert, das verströmt pure Lebensfreude. 

Wenn die Kinder genauso am Tisch sitzen, plappern, mampfen und voll und ganz mit einbezogen werden, da hier Bambini nicht als „Problem“ betrachtet werden, sondern als Freude, dann fühle ich mich wohl.

Wenn es laut, opulent und fröhlich zugeht – das liebe ich.

Wenn man eine Nacht, bei angenehmer Temperatur, mit Freunden oder Familie zusammensitzt, Wein trinkt, über das Leben philosophiert und dabei die Zeit übersieht – das berührt mich.

Wenn am Morgen aus den Cafés der Altstadt, der Duft von Espressi und frischen Cornetti durch die Gassen schwebt, hat dies unheimlichen Flair. 

Wenn ich nur mit Flipflops und leichtem Sommerkleid bekleidet, im Marktgetümmel Gemüse und Obst kaufe, dann fühle ich pures Sommerglück. 

Wenn ich mitten unter den Einheimischen kein deutsches Wort vernehme, dann ist mir das am liebsten. 

Wenn sonnengereifte Tomaten, Melanzani, Paprika, Kräuter, Melonen, Zitronen, Nektarinen und vieles mehr darum buhlen in meiner Einkaufstasche zu landen und nebenbei bereits meine Gehirnzellen rattern, welch herrliches Gericht ich daraus zaubern kann, dann bin ich glücklich.

Ja, all das vermisse ich und dies bereitet mir unglaubliche Sehnsucht.

Keine Ahnung, warum dies so ist und ich genau auf diese Kultur so anspreche.

Aber ich merke, dass ich für mich meinen Ort gefunden habe. 

Ich brauche keine Malediven, Karibik oder Südsee. 

Kein Halligalli mit Party bis zum Abwinken, keine Touristenmassen und auch keine Destinationen welche man unbedingt besuchen muss um „dazuzugehören“. 

Das alles interessiert mich nicht mehr. 

Ein kleines Dorf mit Altstadt in unserem südlichen Nachbarland reicht mir.

Und um es mit einer Zeile aus einem alten, bekannten Lied von STS auszudrücken: „Und irgendwann bleib i dann durt…“

Ja, das ist der Plan!

Falls sich jemand kurzfristig, mit seinen Gedanken und Gefühlen in den Süden flüchten möchte, hätte ich hier meine Apulien-Reiseblogs, vom Vorjahr zum Nachlesen:

Apulien – Teil 1

Apulien – Teil 2

Apulien – Teil 3

Apulien – Teil 4

 

Mehr Gedanken gibt es in meinem Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“ um € 19,90, zu bestellen unter: marlies@herbsthofer.com  🙂

5 Gedanken zu „Sehnsucht in Blau 

  1. Liebe Marlies…

    …es ist Freude,deinen Zeilen zu lauschen…und ich kann deine Italiensehnsucht richtig erspüren…ich wünsche dir aus ganzem Herzen,dass es nicht zu lange dauert…und ihr euch auf die Reise machen könnt…alles Liebe Herta😊

    1. Oh, das ist aber lieb von dir :-)!!!
      Ja, nächstes Jahr klappt es sicherlich wieder, um ein ausgiebiges Wiedersehen zu zelebrieren 😉
      Und – Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude…
      Alles Liebe M.

    1. Danke! Schön, dass es Menschen gibt, die so ähnlich ticken… 😉
      Ja, das Meer hat wirklich eine ganz eigene Anziehungskraft…“seufz“…
      Liebe Grüße 🙂

      1. Übrigens, liebe Luisa von „Zungenspitzengefühl“, du hast eine wunderschöne Seite auf Instagram. Natürlich folge ich dir, denn ich liebe Rezepte und Essen! 🙂 Hast du auf Facebook auch eine Seite? Wenn ja, dann lade mich ein – folge dir gerne…

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