Meins ist mehr wert als deins!

Kürzlich erklärte mir ein Bekannter, er sei über die Stundenpreise des Tischlers seines Vertrauens entsetzt. Grundsätzlich sei er mit der Leistung vollauf zufrieden, die Arbeitsausführung wäre immer brillant, die Qualität sehr hochwertig, der Arbeitsablauf zuverlässig und obendrein werden die Aufträge immer planmäßig abgefertigt. Das Problem liegt allerdings daran, dass ihm von Kollegen immer wieder mitgeteilt wird, es gebe in diesem Bereich doch wesentlich günstigere Anbieter. Diese arbeiten zwar nicht mit heimischem und hier ausgebildetem Personal, sondern mit preiswerteren Handwerkern aus dem benachbarten Ausland. Aber das muss man ja nicht so genau wissen. Also fühle er sich nun irgendwie abgezockt und überlege bei der nächsten Auftragsvergabe einem anderen Tischler den Vorzug zu geben. Alles recht und gut, denn jeder muss nach seinem Gutdünken handeln. Allerdings weiß ich, dass dieser besagte Herr ebenfalls selbstständig arbeitet und sein Preissegment um einiges höher liegt, als bei jedem Handwerker hier in der Gegend. 

Hmmm, da war ich erstaunt, denn es kommt mir vor als würde hier mit zweierlei Maß gemessen.

Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. 

Das Motto „meins ist mehr wert als deins“ gelebt. 

Ich war enttäuscht, denn gerade von diesem Menschen hätte ich mir mehr Weitsicht erwartet. 

Auf der einen Seite kennt er seinen Wert sehr gut und verkauft seine Tätigkeit zu anschaulichen Preisen, andererseits gesteht er dies weiteren Berufsgruppen nicht zu. 

Wobei ich den Wert seiner Leistung nicht infrage stellen möchte. Er ist anscheinend sehr erfolgreich und talentiert in seinem Geschäftsbereich. Außerdem dürfte er gute, treue Kunden haben, die ihn wahrscheinlich aus Überzeugung buchen und dabei nicht Angst haben, von ihm über den Tisch gezogen zu werden. Deshalb erstaunt mich diese Herangehensweise und Anschauung bezüglich Leistungen sehr. Natürlich gibt es diese Menschen, welche immer nur nach dem Preis entscheiden und denen es wirklich egal ist wie eine Firma arbeitet. Ob da jeder Mitarbeiter auch gesetzmäßig angemeldet wird, mit allen dazugehörigen Abgaben, oder die versprochenen Materialien überhaupt eingesetzt werden. Solche Mitbewerber kennen wir ebenso und der Vergleich hinkt hier ganz gewaltig.

Ist es in diesem geschilderten Fall einfach so, dass dieser besagte Unternehmer, sein Hirschmalz und den eigenen Arbeitseinsatz für höher, ja sogar wertvoller erachtet, als die Leistung seiner Mitmenschen? 

Er sich mit dieser Einstellung auf eine höhere, ja fast abgehobene Ebene stellt?

Dieses Ungleichgewicht gefällt mir nicht!

Ich finde es grundsätzlich wichtig, dass jeder Arbeitnehmer, sowie Selbstständige fair und angemessen entlohnt wird. 

Alle Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen, haben Anspruch auf gerechte Bezahlung. 

Das ist Wertschätzung! 

Ich möchte beispielsweise gute, hochwertige, gesunde Lebensmittel aus der Region kaufen. Das funktioniert ja auch nur, wenn wir dem Produkt Wertigkeit schenken und dafür einen fairen Preis bezahlen. Das Klumpert, welches wir oft im Supermarkt im Überfluss finden, das aus Profitgier und unter den unmöglichsten Umständen erzeugt wurde, ist sicherlich nicht fair. 

Billigtextilien, die in armen Ländern unter unmenschlichen Zuständen gefertigt wurden, eventuell sogar von Kindern, deren Produktion nebenbei noch ganze Landstriche vergiftet, empfinde ich auch nicht als gerecht.  

Solche Dinge wissen wir und verdrängen sie in die hinterste Schlinge unserer letzten Gehirnwindung. Wir greifen aus Bequemlichkeit, Gier oder einfach weil wir Lust auf „Schnäppchen“ haben, zu diesen unfairen Produkten. 

So ist es aber auch bei Handwerkern oder anderen Unternehmen und Geschäften. 

Vielleicht weiß man ja sogar, dass da ein paar nicht so „saubere“ Dinge gedreht werden, trotzdem zählt der Preis vor der Moral. 

Das ist sehr schade!

Gerade durch solche Handlungsweisen, bei denen immer nur der monetäre Vorteil zählt, kommt es im ländlichen Bereich oft dazu, dass kleine Betriebe schließen müssen. 

Dann ist das Erstaunen in der Bevölkerung groß.

Wo soll ich denn nun eine Lehrstelle für mein Kind finden?  

Wer bietet mir einen Halbtagsjob, in der Nähe, da ich ja noch kleine Kinder habe? 

Wer sponsert unseren Verein, unterstützt alle Feierlichkeiten und Veranstaltungen? 

Wen rufe ich an, wenn mal etwas repariert werden muss, eventuell sogar an einem Wochenende? Wenn der Ortskern ausstirbt und nur mehr gähnende Leere herrscht, wo soll ich dann gemütlich bummeln? 

Die großen Betonbunker der Einkaufszentren vor der Stadt sind dann halt doch nicht so anschaulich, wie ein schön gepflegter Altstadtkern.

Ja, Konsumverhalten betrifft im Endeffekt uns ALLE! 

Wer glaubt es entscheidet nur der Preis, muss am Ende oft mehr bezahlen. 

Deswegen sollten wir immer etwas über den Tellerrand blicken. 

Leben und leben lassen…

 

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