„Jedermanns Liebling“

Viele Frauen, vor allem in meiner Generation, wurden dazu erzogen lieb und angepasst zu sein. Nur nicht anecken, immer schön brav zu allem nicken und ja sagen! 

Denn nur dann ist man „Jedermanns Liebling“.

Ein gutes Mädchen ist immer freundlich und versucht es allen recht zu machen!

Ja, ich kenne das. 

Wer mag schon gerne Konflikte, oder gar seine Meinung alleine kundtun? 

Was sagen denn da die Leute?

Ich möchte doch niemanden verärgern.

Die Frage bei diesem Spielchen ist: Enttäuschen wir dabei schlussendlich nicht uns selbst?

Denn mit diesem Verhalten sind wir uns nicht sonderlich treu – nein wir hintergehen uns. 

Wir versuchen es jedem recht zu machen – und vergessen uns persönlich.

Ich habe über dieses Phänomen schon öfters geschrieben und möchte nach einer Begegnung  dieses Thema erneut betrachten. 

Bei einer Veranstaltung vor einigen Wochen, lernte ich eine sympathische Geschäftsinhaberin kennen. Sie schilderte mir bei einer längeren Unterhaltung ein Problem mit einer sehr hartnäckigen Kundin.  

Diese Person gehört nun schon fast zum Inventar des Ladens und das weder erwünscht, noch dazu aufgefordert. Sie kommt beinahe täglich in das Geschäft und gibt „wertvolle“ Ratschläge, die in Wirklichkeit keiner braucht. Zusätzlich drängt sich diese Person Schritt für Schritt in das  Privatlebens der freundlichen Ladenbesitzerin vor. 

So nach dem Motto: Kleiner Finger, ganze Hand!

Hmmm, muss man sich da aus Rücksicht von eventuell verlorenen Einnahmen, weil natürlich üble Nachrede von solchen Personen zu erwarten ist, beherrschen lassen? 

Ich weiß nicht. 

Meist sind solche Energieräuber vielen Menschen bekannt und wenn jemand so einer Person Glauben schenkt, soll er sie doch in seinem Freundeskreis aufnehmen – viel Spaß dann auch. 

Ich vermute eine gewisse Geradlinigkeit und Ehrlichkeit wäre hier notwendig. 

Und solche Schritte sind eben nicht einfach. 

Soll ich mir treu bleiben oder soll ich die Kröte schlucken?

Ja, das braucht schon etwas Mut und Überwindung. 

Für solche Energieräuber sind diese „freundlichen“ Personen natürlich praktisch. 

Jedoch gerade diese fordernden Menschen sind nicht besonders feinfühlig und brauchen eine klare Ansage. 

Ich kenne Leute, die sind sehr direkt in ihrer Aussprache, ihrer Überzeugung und ihrem Handeln. Denen fällt es leichter sich zu positionieren und wer glaubt die seien dadurch geächtet und unbeliebt – irrt. Genau diese Persönlichkeiten erfreuen sich großer Beliebtheit und außerdem werden sie gehört. Durch ihre Authentizität und ihre Ehrlichkeit.

Sie werden respektiert! 

Und wie gesagt, man kann nicht „jedermanns Liebling“ sein, auch wenn man sich noch so bemüht. Da ist es wohl angenehmer manche Dinge von sich fernzuhalten und Grenzen zu setzen, als mit dem Aufbäumen der letzten Kraft zu versuchen allen den Bauch zu pinseln. 

Immer freundlich zu sein, nur um niemanden zu verletzten, funktioniert nicht. 

Egal wie man es anstellt, es wird sich immer jemand finden für den es sowieso nicht passt. 

Ist es denn nicht auch so, dass wir instinktiv klaren, geradlinigen Menschen eher vertrauen und mehr Respekt entgegenbringen? 

Begegnungen mit grenzüberschreitenden, fordernden Menschen haben wir im Berufsleben und im Privatbereich. Man möchte doch niemanden vor den Kopf stoßen und unkollegial oder unfreundlich erscheinen.

Doch manchmal müssen wir uns klar positionieren.

Und das Schöne ist, wir sind lernfähig! 

Oft braucht es eben Momente und Vorkommnisse um aufgerüttelt zu werden. 

Ich hatte viele solche Begegnungen in meinem Leben. Anscheinend brauchte ich mehrere Lerneinheiten. Menschen die mich benutzten um zu ihrem Vorteil zu gelangen, habe ich öfters kennengelernt. Aber dies nur solange ich für ihr Vorhaben nützlich war. Und gerade diese Spezies, die gerne über die freundschaftliche Ebene das eine oder andere aus mir herausgequetscht hat, war dann verschwunden. 

Zusammengefasst: Je mehr „Gschisti-Gschasti“ so ein Mensch verlangte, umso enttäuschender war der Abgang. 

Wenn auch der Spagat noch so groß war, um es demjenigen recht zu machen – es fruchtete nicht.

Kurzfristig war dann „alles gut“, doch schon bald kam ein neues Anliegen, eine neue Forderung.  

Bei einer klaren Grenze hätte dieser Mensch wahrscheinlich sofort die Flucht ergriffen, so hatte er aber ein Opfer, das ihm versuchte seine Wünsche so gut es ging zu erfüllen. 

Doch wer glaubt, dass dieses zuvorkommende Verhalten zu einer loyalen Kundenbindung, einer treuen Kollegin oder sonst etwas führt, hat sich getäuscht. Sobald etwas scheinbar Lukrativeres um die Ecke guckt, war der Einforderer verschwunden.

Solche Erkenntnisse sind bitter. Aber im Nachhinein gesehen waren diese sehr gute Lehrmeister für mein Leben. 

Man kann es nicht allen recht machen und auch nicht „Jedermanns-Liebling“ sein – PUNKT.

Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sind eben nur gut investiert, wenn es auch mit dem eigenem Befinden konform geht. Muss man sich dabei zu sehr verbiegen, ist dies auf Dauer ungesund.

Denn gerade die netten, besonders bemühten Menschen werden nicht respektiert, sondern im Endeffekt ausgenutzt oder übersehen.

Sie sind die Deppen vom Dienst.

Den eigenen Selbstwert sollten wir in solchen Situationen nicht aus dem Fokus verlieren, sondern mehr Beachtung schenken.

Und ich meine dabei nicht, dass man unreflektiert über jeden und jede wie ein Rasenmäher drüberfahren muss. 

Nein, eine gewisse Kompromissbereitschaft im sozialen Gefüge des Zusammenlebens ist notwendig. Allerdings sollte das Geben und Nehmen ausgeglichen sein.

Außerdem kommt es immer auf den Ton an den man wählt, um sein NEIN oder STOPP anzubringen. 

Jedoch müssen wir eben manchmal Klartext reden – anders wird uns nicht Gehör geschenkt.

Denn wenn ich meine eigenen Grenzen nicht respektiere, wie sollen das dann meine Mitmenschen schaffen?

Also meine lieben „Schwestern“ da draußen: Traut euch! 

Steht zu euch, zu euren Werten, macht klare Ansagen!

Schenkt euch Beachtung und Wertschätzung!

Die Fortsetzung und Steigerung gibt es im nächsten Blogbeitrag.

Und zwar wenn es darum geht, nicht nur zu sich selbst zu stehen, sondern sich auch zusätzlich auf die Seite von Schwächeren zu stellen…

 

 

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4 Gedanken zu „„Jedermanns Liebling“

  1. Also wie immer toller und der Realität entsprechender Artikel bzw. Essay…

  2. Es ist so herrlich, du sprichst mir manchmal echt aus der Seele.

    1. Danke, für das Feedback, liebe Michi! Dann macht das Schreiben gleich noch mehr Spaß… 😉

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