Homeoffice-Universum: Woche 9

Altes & Neues

Vorweg gleich einmal etwas Altes: Ja, ich bin noch immer in meinem Homeoffice-Universum.

Neu wird sich das erst wieder gestalten, wenn die Kinder ab Anfang Juni in die Schule gehen.

Obwohl ich sagen muss, in der letzten Woche, also der neunten, hat sich doch schon einiges verändert.

So manches war wieder neu obwohl es in Wirklichkeit schon alt war.

Ich bin zwar gerne ein Einsiedler und muss nicht unbedingt immer „Ramba-Zamba“ um mich haben, aber letzte Woche stellte ich fest, dass ich doch einiges vermisste.

Das bemerkte ich erst, als ich es erlebte.

Die Sozialkontakte wurden wieder mehr.

Natürlich mit dem nötigen Abstand – aber doch.

Ein zufälliges Treffen mit einem Mitarbeiter am Firmenparkplatz, mit dem ich mich schon eine Ewigkeit nicht mehr ausgetauscht habe, war so ein alter, nun jedoch wieder neuer Kontakt. Dabei erzählte er mir von seinen interessanten Erfahrungen und Sichtweisen, und wie er mit seiner Familie diese Zeit erlebte.

Oder das Plauscherl mit meiner Freundin. Nein, diesmal nicht am Telefon, sondern ganz real. 

Das hatte schon Qualität und der Abend flutschte dahin, begleitet von einem guten Rotwein.

Ich stelle erstaunt fest, dass Quatschen, Zuprosten und Weintrinken durchaus Corona adäquat zu bewerkstelligen sind.

Außerdem nahm ich mit meinem Mann bei einer Besprechung bezüglich einer betrieblichen Angelegenheit teil – und dies nicht mittels „zoom“. 

Ich musste, an diesem Tag, in richtige Klamotten schlüpfen und durfte leibhaftig in einem Büro erscheinen. Obwohl ich zugeben muss, dass das Schlüpfen eher einem Reinzwängen entsprach – aber die Hose ging schlussendlich zu. Der Kopf blieb an seinem Platz und löste sich nicht anhand der Spannung, um wie ein Wurfgeschoss durch den Raum zu schießen. 

Nein, alles klappte wunderbar!

Obwohl so ein Treffen vor einigen Monaten noch der Normalität entsprach, war dies wie ein neues Erlebnis.

Ich glaube beim Artenschutzgesetz des Homo sapiens, sollte dieser Absatz hinzugefügt werden: Das Treffen im realen Leben, also von Mensch zu Mensch, ist von Zeit zu Zeit für ein soziales Miteinander unverzichtbar.

Aber das Beste ereignete sich gegen Ende der Woche – ich war beim Frisör.

Und meine neue „Frise“ ist eigentlich meine alte und trotzdem erscheint sie mir wie eine gigantische Veränderung. Ehrlich gesagt war ich die wirren Locken, welche sich bei einer gewissen Länge bei mir breit machen, schon fast wieder gewohnt. Meine Akzeptanz, gegenüber  dieses Eigenlebens auf meinem Kopf, mit dem optischen Durcheinander, stieg mit den Tagen. Ich tolerierte, wie dieses Gestrüpp seine eigene Identität entwickelte und selbst die perfekten Wellen kreierte. Jedoch waren die täglichen, vernichtenden Urteile meines Mannes und vor allem meiner Tochter schließlich doch sehr schlagkräftig und ich ließ endlich Federn. 

Meinen Titel: „Lord Helmchen“, welchen mir mein Kind netterweise verpasste, ist nun Geschichte. 

Und ganz ehrlich – ich bin ebenfalls erleichtert. 

Besonders, wenn ich in den Spiegel blicke und nun sofort wieder eindeutig erkennen kann, wer mir entgegenblickt.

Leider gab es auch zwei Veränderungen, die mir letzte Woche mitgeteilt wurden. 

Ich bin ein ziemliches Gewohnheitstier und auch sehr loyal. Deswegen habe ich in allen Lebenslagen so meine Menschen, die ich mit meinen „Wehwehchen und Aufgaben“ aller Art betraue und denen ich vertraue.

Ja, da bin ich etwas eigen, aber wenn sich da mal jemand in mein Herz geschlichen hat, dann ist er quasi irgendwie mit mir verwachsen. Ich habe diese Schätze in allen möglichen wichtigen, aber auch in nicht ganz so lebensnotwendigen Bereichen in mein Dasein integriert.

Das betrifft beispielsweise meine Frisörin, Masseurin, Zahnärztin, Ärztinnen aller Art, aber auch Verkäuferinnen bei denen ich gerne einkaufe, sowie meine Lieblingsapothekerin, Blumenhändlerin, Optikerin, Tischlerin, Beraterinnen (kreuz und quer nach Fachgebiet), Freundinnen und so weiter. Ich habe hier die weibliche Form gewählt, obwohl da auch einige Männer darunter sind. 

Ja, diese Menschen begleiten mich und machen mich froh.

Nun hat mich eine dieser guten Feen verlassen, da sie in den wohlverdienten Ruhestand geht. 

Die letzten Wochen, nutzte sie zum Überdenken ihrer Situation und entschied sich schließlich zu diesem Schritt. Ich kann das sehr gut verstehen, denn sie hat sich dies wirklich redlich verdient und ich gönne es ihr von ganzem Herzen. Trotzdem wird sie eine Lücke bei mir hinterlassen. Der regelmäßige Kontakt entfällt somit und dadurch verändert sich auch die Beziehung. 

Eine weitere tolle Frau aus diesem „Marlies-Pool“ meiner Vertrauten, hat sich nun entschlossen ihren Wirkungsbereich zu verlegen. Auch diese Entscheidung kann ich sehr gut nachvollziehen und leuchtet mir ein. Aber ich weiß, dass ich auf lange Sicht den regelmäßigen Kontakt wie er ursprünglich vorhanden war, nicht einhalten werde. Dies ist dann im „normalen“ Alltag schwierig zu bewerkstelligen. 

So gesehen haben sich zwei alte lieb gewonnene Gewohnheiten aus meinem Leben geschlichen.

Dies  ist völlig „normal“ und nichts Neues im Leben, trotzdem fällt etwas weg. 

Aber schön, dass sie für eine gewisse Zeit für mich da waren…

 

Mein Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“ gibt es um € 19,90 unter: marlies@herbsthofer.com zu bestellen. Zustellung „frei Haus“. 🙂

  

 

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