Homeoffice-Universum: Woche 7

Die geistige Verwahrlosung ist bei uns eingezogen!

So nun ist es soweit, die geistige Verwahrlosung ist bei uns eingezogen.

Ehrlich gesagt, hat sie nur bei mir Unterschlupf gefunden.

Und zwar an einem Wochentag, als ich allein vor der Glotze saß.

Meine Familie war beschäftig und ich quasi unbeaufsichtigt. 😉

Ich hatte keine Lust zum Schreiben oder Lesen. 

Nein, ich wollte einfach nur sanft berieselt werden.

Außerdem lachte mich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt eine Packung Chips an. 

Da eine meiner Corona-Regeln lautet, solchen verlockenden Versuchungen immer nachzugeben, musste ich mich um diese Aufgabe dringend kümmern. 

Also was passt perfekt zu Chips? 

Eh klar: Durch das Abendprogramm surfen.

Dabei blieb ich bei SAT1 hängen. 

Ich wusste gar nicht, dass dieser Sender noch existiert… 😉

Ein vielversprechender Sendetitel ließ mich abrupt stoppen: 

„Promis unter Palmen“

Gleich vorweg das Resümee: Die Villa und das Strandambiente waren wirklich nett.

Die Bewohner – naja, da könnte man bei der Nettigkeit noch ein bisschen nachhelfen .

Da ich annehme, dass Euch gerade im Bereich „SAT1- Bildungsfernsehen“ der Überblick fehlt, fasse ich das Prozedere kurz zusammen.

Also, nachdem ich zusätzlich etwas recherchierte, wusste ich, dass hier eine gewisse Anzahl von „Promis“ eine Zeit lang in dieser „Palmen-Umgebung“ zusammengepfercht wurden. Zwischendurch mussten diese armen Berühmtheiten, immer wieder komische Spiele im Wettkampfmodus bestreiten. Dabei trugen die Promis stets peinliche Kostüme und machten sich sogar ein „bisschen“ zum Affen. 

Der Sinn dieser Sendung entschädigt natürlich alle Peinlichkeiten –

denn am Ende der Serienstaffel winken dem Sieger, also dem, der sich am öftesten zum Affen machte, 100.000 Euro.

Diese Tatsache in gebündelten Scheinen hat die kameraerprobte Meute zur Höchstform angestachelt.

Das mit den Promis hab ich irgendwie nicht ganz verstanden, denn ich kannte vorerst keine einzige Person in dieser Sendung. 

Ich dürfte blöderweise einige der bildungsrelevanten Serien verpasst haben.

Da ich vermute, Euch geht es ebenso, werde ich nun zwecks Wissensvermittlung die Bewohner beschreiben. 

Sehr auffallend war für mich ein Muskelprotz. 

Allein schon wegen seines gut trainierten Bizepses nahm er ziemlich viel Raum und Platz in der Sendung ein. Zusätzlich war er jedoch ebenso wegen seiner ausgeklügelten Taktik sehr großräumig und bildschirmfüllend vertreten. Gleichzeitig durfte ich seine spirituelle Seite kennenlernen, denn „mantraartig“ gab er Kalenderweisheiten von sich und das schon beim Morgensport. 

Er war die zum Fleisch gewordene Disziplin. 

Seine Lebensphilosophie heißt ohne Zweifel: Stets total fokussiert! 

Durch das prägnante Visualisieren dürfte er bereits die Knete vor seinem geistigen Auge zählen.

Dann gab es noch einen zweiten jungen Mann, mit einer ebenso beachtlichen Anzahl Muckis. 

Dieser war mit einem treuherzigen Dackelblick ausgestattet und zeigte sogar Rückgrat, da er bei einem künstlich aufgebauschten Problemchen, welches schon eher „Mobbing unter Palmen“ zuzuordnen wäre, nicht mitspielte. 

Wie meist in solchen Serien-Katastrophen war zur Aufhübschung auch ein blondes Busenwunder, mit dicken Lippen und sehr langen Wimpern dabei. 

Für die Aufheiterung der Runde war jedoch eine mittelalterliche Frau verantwortlich. 

Da sie anscheinend öfters mal ein Gläschen über den Durst trank und die anderen ihre Trinksprüche, plus dazugehörenden Handlungen nicht so lustig fanden, mutierte sie zur Außenseiterin.

Weiters gehörte noch ein braun gebranntes Exemplar mit viel zu viel, blendend weißen Zähnen zur Truppe. Boah, ich war beeindruckt wie viele Zähne eigentlich in so einem Mund Platz haben, da wurde bei mir offensichtlich ordentlich eingespart. 

Anscheinend hatte er Glück bei der vorgeburtlichen Zahnreservierung, sowie Verteilung und offensichtlich einen wahnsinnigen Zusatzbonus eingeheimst.

Seine Rolle war eindeutig „zickige Prinzessin“. 

Später kam dann noch Desiree Nick dazu – übrigens die einzige Prominente, die ich kannte. Allerdings war die auch gleich wieder weg, da sie bei einem „affigen“ Spiel einfach nicht zum Affen taugte und ins Krankenhaus musste. Dabei machte sie der „zickigen Prinzessin“, mit dem weißen Blende-Spoiler im Mund, ziemliche Konkurrenz.

Ja, meine Lieben das war die Story.

Für all jene, denen das Gefühl des „Fremdschämens“ nicht bekannt ist – schaut „Promis unter Palmen“. Ich prophezeie Euch, Ihr werdet sofort das Ausmaß dieser Empfindung in seiner einzigartigen Gesamtheit erfassen.

Erwachsene wälzen sich in den tiefsten verbalen Abgründen, freiwillig vor Publikum. 

Da muss man feststellen, das Promi-Leben ist eben auch nicht immer einfach. 

Es erfasst einen sogar zusätzlich eine Welle des Mitleids.

Aber Geld, sowie die Anwesenheit einer Kamera entschädigen für so manche Geschmacklosigkeit.

Dafür darf man sich doch wirklich mit Hingabe zu einem „Affen unter Palmen“ verwandeln.

Das Bankkonto wird danach mit etwas Glück fetter, die Bekanntheit eventuell gepusht und den Kindern und Enkelkindern erzählt man später einfach: „Ich war jung und brauchte das Geld!“

So einfach ist das!

Einen dringenden Appell muss ich noch an meine Familie richten:

Falls ihr mich wieder mal unbeaufsichtigt im Wohnzimmer vorfindet, mit einer depperten Packung Chips in der Hand, gepaart mit leicht dümmlichem Gesichtsausdruck dann BITTE: 

„Ich bin ein Narr – holt mich hier raus!“

 

 

Weitere Geschichten über den ganz normalen „Alltagswahnsinn“ gibt es in meinem Buch: „Mann, bist du gut, Frau!“ um € 19,90 zu bestellen unter: marlies@herbsthofer.com – Zustellung „frei Haus“! 🙂

   

 

4 Gedanken zu „Homeoffice-Universum: Woche 7

  1. Danke für diesen tollen Beitrag, der mich mehr als schmunzeln lies. „Leider“ habe ich diese „Bildungsserie“ bisher auch verpasst, aber die bildliche Vorstellung der Promis ist Dir super gelungen.

    Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Beitrag. Da ich nicht im Homeoffice arbeiten kann, bleibt mir so manch Quarantäne-Erlebnis dann doch erspart. Ich habe jetzt noch mehr Ansporn, mich nicht „zu vernachlässigen“ und auf Bildungsfernsehen zu setzen. 🙂

    LG Manja

    1. Oh, danke! Das finde ich schön, dass ich hier einen wertvollen Beitrag leisten durfte. Gerade im Bereich Bildung ist dies heutzutage sehr wichtig! Ich befürchte jedoch, dass mein Ausflug in diese Kategorie leider vorbei ist. Meine Opferbereitschaft ist erschöpft. Dennoch bin ich sehr dankbar, dass ich hier einen kleinen Überblick über die Fernsehlandschaft der Privatsender schaffen konnte! Danke, für das Feedback! 😉
      Liebe Grüße 🙂

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