Homeoffice-Universum: Woche 11

Kopflos! 

Ich muss gestehen ich bin ein ziemlicher Schussel.

Alles muss „zack-zack“ gehen und manchmal spreche ich so schnell, dass ich gar nicht mit dem Denken hinterherkomme.

Oft bin ich kopflos unterwegs – das heißt ich verrichte eine Arbeit und hänge dabei mit dem Kopf schon in einer anderen Sphäre. 

Das ist nicht unbedingt von Vorteil, denn dadurch können sehr seltsame Dinge passieren. 

Ein Highlight der letzten Jahre war, als meine Tochter mein von mir bereits verzweifelt gesuchtes Handy im Kühlschrank fand. Sie meint „netterweise“ auch, dass diese Verwirrtheit vielleicht mit einer gewissen Leere im Kopf zusammenhängen könnte. Das macht mich natürlich nachdenklich und dadurch habe ich schon wieder eine Menge Gedanken, welche meinen Denkapparat auf Hochtouren arbeiten lassen. Deswegen vermute ich, dass es eher an einer dauerhaften Überfüllung liegt. Diese geballte Masse verursacht dann einen Zusammenbruch und danach dürfte eine immense Leere entstehen. 

Das klingt für mich logisch.

Anders kann ich mir diese Aussetzer nicht erklären! 

Eigentlich hätte sich in der Corona-Auszeit diese Verwirrung bessern müssen. Denn durch das Homeoffice hatte ich keine Termine auswärts und musste auch keine Taxifahrten für die Kinder erledigen oder Sonstiges organisieren. 

Aber falsche Annahme – es passieren nach wie vor komische Dinge in unserem Heim.

Diese kann ich leider nicht auf übersinnliche Kräfte schieben.

Beispielsweise hatte meine Tochter letzte Woche die geniale Idee für uns Muffins zu backen. 

Das freute uns alle sehr, denn ihre Kreationen sind wirklich himmlisch. Als sie dann eine leere Packung Mehl aus dem Vorratsschrank herausfischte, die ich anscheinend gedankenlos beim letzten Gebrauch, anstatt zu entsorgen wieder zurückstellte, traf mich ein fragender Blick. Dies konnte ich jedoch schnell mit einem: „Naja, das kann schon mal vorkommen!“ erledigen.

Ich verzog mich mit dem Staubsauger in den oberen Stock. Als ich nach einiger Zeit wieder bei der Küche vorbeikam, wunderte ich mich, warum das Backrohr eingeschaltet war und habe es natürlich pflichtbewusst sofort ausgemacht. Dass sich aber genau zu diesem Zeitpunkt, die Leckereien meiner Tochter im Herd befanden, habe ich irgendwie vergessen. 

Gut, dass sie es schnell bemerkte und alles retten konnte. 

Ihre Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. 

Was ist da los?

Ist mein Kopf einfach wirklich nur leer oder sind meine Gehirngänge verstopft?

Ist diese Datenautobahn einfach mit zu vielen Gedanken zugemüllt?

Also im Vorjahr hatte ich echt viel um die Ohren. 

Und wenn damals so einige Daten der Denkzentrale, nicht immer abrufbereit, beziehungsweise im richtigen Ordner anzutreffen waren, hatte ich dafür Verständnis. Steckten wir zu der Zeit doch gerade in der Vorbereitung eines riesigen Sommerfestes unserer Firma, die Kinder gingen in die Schule und dabei wandle ich immer als lebender Stundenplan plus Veranstaltungskalender mit dazugehörigen Buszeiten im Kopf durch die Gegend. Außerdem waren die  „normalen“ Aufgaben, welche im Alltagsleben anfallen, ebenfalls zu meistern. 

Aber anscheinend bin ich im Homeoffice, mit all den angenehmen Begleiterscheinungen auch nicht davor geschützt kopflos zu handeln. Ich habe natürlich in dieser Zeit über vieles gegrübelt. Da ist beispielsweise mein Schreiben, mit der damit verbundenen Suche nach Ideen. Die Firma und das Entstehen der neuen Aufgaben für mich. Die Veränderungen und die dazugehörigen Umstrukturierungen. Und natürlich die Kinder mit ihren Sorgen, die ich dann natürlich übernehme und diese besetzen automatisch den einen oder anderen Bereich in meinem Gehirn.

Außerdem ist es verwunderlich, dass sich in dieser Zeit mein katastrophales Zahlengedächtnis nicht um ein Fuzzerl verbesserte, obwohl ich mit vielen Berechnungen konfrontiert war.

Ich stelle fest, dass mir nach wie vor die Welt der Buchstaben lieber ist!

Also glaube ich langsam, dass diese kopflose Lebensweise nicht an der Umgebung liegt, sondern allein an mir und meinem Naturell.

Vielleicht könnte mir eine riesige Packung Knoblauchpillen aus unserer Apotheke helfen?

Als ich über diese Möglichkeit nachdachte, kam ich aber auf einen anderen Gedanken.

Anscheinend fehlt mir ein Kurzurlaub!

In den letzten Jahren verbrachte ich immer wieder kurze Auszeiten am Meer. 

Diese taten mir sehr gut. 

In diesen Stunden konnte ich mich „erden“ (nennt man das dann „wassern“ oder gar „meeren“?)  und geistig zur Ruhe kommen. Die veränderte Umgebung, sowie diese Leichtigkeit, die ich dabei empfand, dürften mir heuer ein bisschen abgehen. Keine Ahnung, warum ich beim Anblick des Meeres in diesen einzigartigen Entspannungszustand versinke, welcher mir daheim nicht so gut gelingen möchte.

Aber vielleicht ist das auch nur eine Annahme oder gar Ausrede und die Problematik liegt ganz einfach an meinem fortgeschrittenen Alter?

Denn als meine Kinder noch klein waren, war ich sicherlich flexibler beim Denken und konnte einiges sogar gleichzeitig durchführen. 

Ja, auch das ist eine Möglichkeit – denn ich werde nicht jünger…

Als aber heute in der Früh mein Mann die Rasiercreme auf seine Zahnbürste drückte, musste ich herzhaft lachen.

Ich bin nicht allein – das beruhigt mich!

Vielleicht sind diese momentan herrschenden ruhigen Zeiten auch gar nicht so richtig still – vor allem im Kopf….

 

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