Homeoffice-Universum: Woche 10

Viel Natur, in der Natur!

Vor einigen Jahren besuchte uns ein guter Bekannter, welcher in einer größeren Stadt lebt, um uns in der Steiermark zu besuchen. 

Wir waren sehr motiviert und wollten ihm einen Einblick in die Fülle unserer Umgebung präsentieren. 

Deshalb gingen wir sogar eine kleine Runde mit ihm im angrenzenden Wald spazieren. 

Voller Stolz zeigten wir ihm diese grüne Oase.

Leider war dieser gute Mann, nicht unbedingt ein Landpflänzchen, sondern eher eine Büro- und Wohnungsstaude. Er war und ist eher „großstadtkompatibel“, denn 

in diesem Umfeld fühlt er sich wohl und glücklich.  

Man könnte fast behaupten, er schrammt ganz knapp an einem Nerd vorbei.

Das darf ich schreiben – denn er sieht dies ähnlich.

Bei jenem Streifzug durch unser ruhiges, sauerstoffgeschwängertes Paradies, konnte er jedoch nicht die Begeisterung aufbringen, die ich mir eigentlich erhoffte.

Dabei war es nicht hilfreich, dass ihm immer wieder Spinnweben, welche quer über den Weg gesponnen waren, regelmäßig über das Gesicht strichen. Leider waren diese Netze heimtückisch angebracht und deswegen nicht immer ersichtlich. 

Auch die herrschende Mückenplage, welche uns surrend und nach Blut lechzend verfolgte, konnte ihn nicht für diese Umgebung begeistern.

Als uns dann beim Essen, in unserem Garten, auch noch die ein oder andere Wespe Gesellschaft leisten wollte, meinte er: „Ganz schön viel Natur, in der Natur!“

Damals reagierte ich etwas unverständlich und belächelte ihn mit seinen Stadt-Attitüden.

Doch nun verstehe ich ihn voll und ganz.

Ich möchte mich sogar hochoffiziell für meine damalige, nur marginal vorhandene Empathie, aus tiefstem Herzen entschuldigen.

Und diese Erkenntnis ereignete sich, als mir die Natur in unserem Garten auch etwas zu viel wurde.

Ich saß entspannt und glücklich an unserem Gartenteich, als ich ein silbrig glänzendes Häufchen in meiner Nähe entdeckte.

Bei näherer Betrachtung fuhr es mir durch Mark und Bein.

Es handelte sich um eine riesige Ringelnatter.

Ich weiß, diese Viecher sind nützlich und stehen sogar unter Naturschutz.

Jedoch leide ich, seit meiner Kindheit, an einem massiven Schlangentrauma. 

Ich kann in diesem Fall auch nicht anders als laut zu kreischen, gepaart mit panischem Gruseln.

Das geht ganz automatisch – so wie ansonsten im Normalzustand beispielsweise das Atmen. 

Wenn ich auch insgeheim ahnte, dass sich diese Spezies frisch und fröhlich in und um unseren Teich tummelt und sogar vermehrt, konnte ich dies bis jetzt erfolgreich verdrängen. 

Doch nun ist es eine Tatsache. 

Ja, jetzt kann ich unseren Großstadtfreund verstehen.

Ich kann sogar die Angst vor Spinnen, welche meine Kinder haben, nachvollziehen.

Und ich frage mich, ob diese gigantische, perfekte, einzigartige Natur nicht auch ein bisserl gepfuscht hat. Denn warum pflanzen sich gerade in meinem Garten diese grauslichen Tiere weiter? Gibt es nicht genug abgelegene Plätzchen, wo sie ungestört und vor allem unentdeckt ihre Zelte aufschlagen können?

Oder warum gibt es Zecken – die meines Erachtens auch kaum einen Nutzen haben, außer eine elendslange Impfdiskussion in Gang zu setzen. 

Gelsen, Läuse oder gar den Borkenkäfer – wer braucht dies?

Na ja, irgendjemand wird davon profitieren – denn in der Natur ist alles durchdacht.

Als ich aber gestern auch noch mit einem steifen Rücken erwachte, musste ich nochmal über die einzigartige Natur nachdenken. Warum nur in aller Welt muss es sein, dass wenn wir älter werden, sich automatisch das ein oder andere Wehwehchen dazugesellt? Ja, und diese sind dann schon fast täglich zu spüren, denn irgendwo zwickt es immer.

Reicht es nicht, dass man alt wird und sich die Lebenszeit dadurch verkürzt?

Ist das nicht genug?

Muss man dann auch noch Falten und Hängehaut bekommen, die zugegebenermaßen optisch sehr „bescheiden“ rüberkommen?

Wäre es da nicht gerechter, wenn man in dieser Episode, zu einem nochmaligen körperlichen Höhenflug aufflackern könnte? 

Also ganz so gut durchdacht ist dies anscheinend nicht wirklich – oder zumindest gewissenhaft produziert.

Vielleicht gibt es nach der Corona-Auszeit auch eine überarbeitet Version der Naturkräfte?

Einen „Reload“ sozusagen.

Oh, ich hätte da schon einige Ideen!

Allerdings muss ich gestehen, dass das Vogelkonzert, von dem ich täglich geweckt werde, schon eine ziemlich geniale Erfindung der Natur ist.

Ja, mein geistiger Ausflug und die Verstrickung in so manche natürlichen Tatsachen und unnatürlichen Wünsche sind halt doch nur Hirngespinste, einer verzweifelnden Schlangen-Phobikerin über 50…

Mutter Natur, weiß schon was sie macht!

Auch wenn’s mich manchmal gruselt oder in irgendeinem körperlichen Winkel zwickt…

 

 

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2 Gedanken zu „Homeoffice-Universum: Woche 10

  1. Oh Gott, ich bin so bei dir. Habe auch eine Wahnsinns-Schlangen-Phobie. Kann sie mit nicht mal im TV anschauen. Hatte letztens beim Eintüten des Grünverschnitts die ganze Zeit Angst das mich plötzlich ne Schlange anschaut. Warum musste mir meine Nachbarin auch unbedingt erzählen dass sie in ihren Garten eine Ringelnatter hatte? Natur ist schön, aber es gibt Grenzen. Mal sehen wann ich schreiend durch den Garten flitze. LG Eileen

    1. Liebe Eileen! Danke, für deine Zeilen. Ich bin ja so froh, dass ich mit dieser „Schlangen-Panik“ nicht alleine bin. Dein Verständnis tut mir gut. Und ganz ehrlich…ich kann das Foto, meines Blogbeitrages, nur mit großer Überwindung angucken! Brrrrr…
      Vielleicht habe ich Glück, und mein ständiges Gekreische bei einer Schlangenbegegnung, geht den guten Tierchen so auf die Nerven, dass sie schlußendlich ein paar Häuser weiterziehen… Die Hoffnung stirbt zuletzt! 😉
      Liebe Grüße Marlies

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