Reisebericht: Apulien Teil 2

 

Lecce und die Küche Apuliens

Da unser Standort Torre Chianca nur circa 15 Kilometer von Lecce entfernt lag, besuchten wir diesen Ort mehrmals. Die Hauptstadt des Salentos wird nicht umsonst auch „Florenz des Südens“ genannt.

Prächtige Bauwerke, reizvolle Gässchen und kein Massentourismus  – was will man mehr?

Lecce hat ungefähr 90.000 Einwohner und ist auch eine Universitätsstadt.

Auffällig ist natürlich der „Lecceser Barock“ ein ziemlich imposanter Baustil aus Kalkstein. 

Die Verzierungen an den Fassaden sind sehr üppig. 

Menschen die zum „clean chic“ neigen, werden mit dieser Bauart sicherlich Probleme haben. 

Für mich sahen manche Fassaden aus als hätte sich ein Konditormeister mit Buttercreme ausgetobt und alles bis zum kleinsten Detail reichhaltig verziert. Besonders erwähnenswert ist die Basilica Santa Croce. Ich stand mehrmals vor dieser beeindruckenden Fassade und verlor mich in den Kleinigkeiten, jedesmal entdeckte ich neue Details. Irgendwie kann ich verstehen wenn so manchen diese Fülle etwas zu viel wird. 

Basilica di Santa Croce

 

Auf der Piazza San Oronzo im Zentrum der Altstadt, wurde ein römisches Amphitheater freigelegt. Es stammt aus dem 2. Jahrhundert. Im Hintergrund befinden sich hässliche Gebäude, welche diese Ausgrabungen verschandeln. Diese Bauwerke sind eine architektonische Errungenschaft aus der faschistischen Epoche. Naja, irgendwie auch kein Wunder, denn was sollte dieser fragwürdige Zeitabschnitt auch sonst an brauchbarer Architektur zustande bringen, außer diesen scheußlichen Fassaden?

Die lieblichen Gassen der Altstadt laden zum Schlendern ein und zeigen einige Facetten der Stadt. Einerseits die architektonischen Wunderwerke aus Kalkstein und dann auch wieder verlassen wirkende Häuser. Der süditalienische Flair weht allerdings durch alle Gassen. Freundlichkeit und Lebensfreude trifft man an jeder Ecke. Diese ursprüngliche Ausstrahlung dürfte auch am nicht vorhandenen Massentourismus liegen.

 

 

In der Stadt war es im Gegensatz zu unserer meernahen Unterkunft doch relativ heiß. Wehte uns in Torre Chianca teilweise der Wind ganz schön stürmisch um die Ohren, war das Landesinnere davon „verschont“ und es herrschten schon Temperaturen zwischen 36 und 39 Grad. Am Tag wirkte die Stadt verständlicherweise wie ausgestorben. Abends füllten sich die Plätze und Gassen  mit Leben. Ja, Siesta macht durchaus Sinn… 😉

 

 

Eine wundervolle, erfrischende Entdeckung machten wir in einem der Straßencafés. Caffè Leccese – eine eiskalte Kaffeespezialität in Apulien. Diese Köstlichkeit wirkte erfrischend und belebend. 

Für all jene die sich in unseren Breitengraden nach „Lecceser Art“ erfrischen möchten, habe ich hier das Rezept:

  • Etwas Mandelmilch oder Mandelsirup in ein größeres Glas geben. 
  • Danach vorsichtig einen frisch zubereiteten Espresso hinzufügen und mit Eiswürfel auffüllen.
  • Durch das langsame Eingießen des Espressos, bleibt die Mandelmilch am Boden, dadurch entstehen schöne Schichten. 
  • Vor dem Trinken das Getränk verrühren – und genießen! 
  • Herrlich…

Normalerweise mag ich keinen süßen Kaffee, aber dieses eiskalte Gebräu machte mich süchtig… 😉

 

Apulische Küche

Und weil wir gerade beim Genuss sind, möchte ich ein bisschen auf die Küche Apuliens eingehen.

Für uns ist es immer wichtig die Küche eines Landes zu erkunden. 

Einerseits essen wir sehr gerne und probieren bereitwillig alles Angebotene aus – und andererseits kann man anhand der heimischen Kochweise, sowie den Produkten eine Menge von Land und Leuten erfahren.

Kulinarisch hat dieser Landstrich einiges zu bieten. 

Da das Meer nirgends weit entfernt ist, gibt es natürlich viele Köstlichkeiten aus dem Wasser. Fangfrische Fische und Meeresfrüchte sind allgegenwärtig. 

Jedoch gibt es natürlich zahlreiche weitere traditionelle Speisen zu entdecken. 

Da diese Region die Kornkammer Italiens genannt wird, bietet sie auch eine Vielfalt an Pasta-Variationen. Orecchiette  gefielen mir optisch am besten. Hier entstammt ein Großteil des Hartweizens für Italiens Pasta. Fast in jeder Trattoria oder Osteria bekommt man selbstgemachte Pasta serviert – paradiesische Zustände sag ich euch. 

Zu diesem Genuss gehört auch der ausgezeichnete Wein, welcher hier produziert wird. 

Egal ob rosso oder bianco – er rundet die Speisen perfekt ab.

 

Alte Pizzavariationen sind auf die Hirten dieser Region zurückzuführen. Diese Köstlichkeiten wurden ursprünglich beim Hüten der Tiere, als Proviant mitgenommen und verzehrt. 

Belegt werden sie mit Tomaten, Zwiebeln, Kapern, Oliven, Sardellen und weiteren typischen Produkten die hier anzutreffen sind. 

Kurz gesagt: alle Lebensmittel, welche die gesunde mediterrane Küche ausmachen, gibt es hier. 

Allen voran das Olivenöl, Nudeln, Tomaten, jede Menge Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst sind hier heimisch.

Ebenso würziger Käse und cremiger Mozzarella. 

Und diese himmlischen Süßigkeiten. 

Zuckersüß und herrlich duftend lockten diese Spezialitäten in so mancher Pasticceria. Man konnte nicht widerstehen und diese teilweise noch warmen Delikatessen mussten einfach verkostet werden.

Ein Paradies für Naschkatzen. 🙂

Auch das Brot schmeckt hier ausgesprochen gut. Fluffig und knusprig, landete es täglich auf unserem Frühstückstisch. 

Übrigens zum Backofen gibt es noch eine kurze Geschichte.

Alle bäuerlichen, ursprünglichen Gerichte werden im Ofen gegart. Jedoch gab es in früheren Zeiten ein Verbot für private Backöfen. Diese Maßnahme war der Brandgefahr geschuldet. Um dies zu umgehen, wurden geheime Öfen betrieben. 

Diese Öfen mit ihren Schmorgerichten, sowie Brot- und Backspezialitäten bildeten die Grundlage der apulischen Küche, welche noch immer Tradition hat.

Fortsetzung folgt!

 

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